Home > Begrüßung > Bedeutung Jugendwerkhof

Was bedeutet Jugendwerkhof?

Übersicht

Eine beeindruckende Studie über die Jugendwerkhöfe, gibt es dazu von Teresa Wiedemann aus Leipzig. 'Die Jugendwerkhöfe der Deutschen Demokratischen Republik'  [6.15 Mb]

Die Studie von Frau Wiedemann wurde bewußt gewählt, da sie diese im Alter von 17 Jahren schrieb und sich sehr sachlich mit der Thematik Jugendwerkhof auseinandersetzt.

Mit 17 Jahren, in einem Alter also, in dem zu DDR-Zeiten die Werkhöfler noch alles bewußt und Live miterlebten.

Es soll für sie ein Zeichen der Anerkennung dafür sein, dass der heutigen Jugend das Thema "Jugendwerkhof" kein Fremdwort ist und bleibt.

Kurzfassung: Jugendwerkhof    Struktur Jugendwerkhof Leitung

Visuelle Artikulationen sozialer Ordnung am Beispiel einer Fotografie aus einem DDR Jugendwerkhof

Anzahl der Jugendwerkhöfe: 1952 28 JWHs, 1956 38 JWHs, 1960 30 JWHs, 1985 29 JWHs und 1989 31 Jugendwerkhöfe

Anzahl der Plätze: zum Stichtag am 31 Mai 1989 gab es 31 Jugendwerkhöfe mit 3336 Plätze, von denen 2607 belegt waren.Die Anzahl der Plätze hing von der Größe der Einrichtung und den örtlichen Gegebenheiten ab. Die größeren Jugendwerkhöfe zählten zwischen 100 und 300 Plätze. Der größte Jugendwerkhof war Burg "August Bebel" mit über 300 Plätze. Kleinere Jugendwerkhöfe hatten um die 30 Plätze, beispielsweise der Jugendwerkhof Kottmarsdorf.

Der Jugendwerkhof war Teil einer Disziplinareinrichtung aus der Gruppe der "Spezialheime" die 1951/52 offiziell gegründet wurde und dem System des Ministerium für Volksbildung, Referat Jugendhilfe, Abteilung "Spezialheime" der ehemaligen DDR unterstand.

In den Jugendwerkhöfen waren Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die sich gegen die Erziehungsmethoden der "Jugendhilfe" aber auch gegen die der Eltern und der sozialistischen Strukturen auflehnten, zu sozialistischen Persönlichkeiten (Verordnung der Organe der Jugendhilfe vom 03.03.1966) herangezogen.

Die Heimeinrichtungen der seit 1951/52 gegründeten "Spezialheimen" bestanden bereits seit 1947 und wurden bis 1952 unter den Begriff "Normalheimen" geführt womit es insbesondere einen rechtlichen anderen Satus hatte.

Zu den sogenannten "Spezialheimen", gehörten die Durchgangsheime (D-Heime), die Spezialkinderheime (Spezi), die Sonderkombinate, die Jugendwerkhöfe und der geschlossene Jugendwerkhof Torgau welcher seit 2009 zu einer Gedenkstätte benannt wurde.

Hauptziel dieser "Spezialheimeinrichtungen" war die Ausgliederung von auffälligen Kindern und Jugendlichen aus der Gesellschaft, zum Zwecke der Umerziehung zu sozialistische Persönlichkeiten.

Um Irrtümer vorzubeugen sei erwähnt, dass ein Jugendwerkhof kein Gefängnis darstellte, denn das hatte die Bezeichnung "
Jugendhaus". Jugendwerkhöfe waren nach außen "offene" Einrichtungen, mit Ausnahme einer abschreckenden haftähnlichen geschlossenen Einrichtung. Diese war die unmenschlichste Einrichtung für Jugendliche in der DDR. Eine Gedenkstätte im ehemaligen geschlossenen Jugendwerkhof Torgau erinnert daran.

 

Wer sich jedoch mit dem Thema Gefängnis/Justizvollzug beschäftigen möchte kann hier Informationen finden, oder das Buch "Jugendstrafvollzug in der DDR" lesen.

Einweisungsgründe ohne politische Hintergründe waren oft auch Entweichungen aus Heimeinrichtungen. Kinder und Jugendliche steckte die "Jugendhilfe" ab den 14 Lebensjahr kurzerhand in die Werkhöfe. Somit wurde unter den Kindern und Jugendlichen Angst geschürt mit den Worten "wenn du nicht hörst kommst du in einen Jugendwerkhof".

Außer politischen Hintergründen erfolgten die Einweisungen vielmals auch auf Antrag von überforderten Eltern oder Lehrern die sich mit der Erziehung überfordert sahen und bei der "Jugendhilfe" eine Einweisung beantragten. Den meisten Eltern war es damals nicht bewusst was sie taten und meinten ihr Kind jederzeit wieder zurückholen zu können. Dem war jedoch nicht so. Mit der Beantragung einer Einweisung über die "Jugendhilfe" verloren die Eltern alle Erziehungsrechte und konnten nicht mehr in die Erziehung ihres Kindes eingreifen. Erst mit Vollendung des 18 Lebensjahres endeten die Befugnisse der "Jugendhilfe". Selbst nach den ganzen Jahren leiden Eltern heute noch unter der Last es damals nicht mehr rückgängig gemacht haben zu können, als sie von ihren Kindern erfuhren was sie durchlebten. Aus Scham ihres versagens und aus Machtlosigkeit haben Eltern stillschweigend die Geschehnisse hingenommen
. Daran sind viele Familien zerbrochen und einige Familien werden den Weg zueinander nie mehr finden.

Eine Einweisung in einen Jugendwerkhof konnte auch ohne die Zustimmung der Eltern erfolgen. Hierfür reichte eine subjektive Sichtweise der Jugendhilfeorgane die keine alternativen Lösungsstrategien fanden.

Letztendlich erfolgte die Einweisung in die Jugendwerkhöfe durch Beschluss der Jugendhilfeausschüsse der Räte der Kreise (Städte, Stadtbezirke) auf der Grundlage des Familiengesetzbuches § 50 und der Jugendhilfeverordnung § 23.

Die Aufenthaltsdauer in den Werkhöfen betrug meist 1,5 - 2 und in Ausnahmen bis zu 3 Jahren. In einigen Jugendwerkhöfen bestand die Möglichkeit einer Berufsausbildung als Teilfacharbeiter und einen Schulabschluss der 8/9/10 Klasse. Wobei die 9 und 10 Klasse die Ausnahme waren. Ab Mitte der 80 Jahre bestand in einigen Fällen die Möglichkeit zum Facharbeiterabschluss welches einen 3 jährigen Aufenthalt erforderte. Meist wurden die Jugendlichen ohne jegliche Ausbildung zu billigen Arbeitskräften benutzt.

Eine Zweiteinweisung war durchaus möglich und wurde teilweise angewandt.

Ideologie für die Errichtung der Jugendwerkhöfe war der sowjetische Pädagoge Anton Semjonowitsch Makarenko. Anbei ist
Eberhard Mannschatz zu erwähnen der von 1951 - 1977 die Jugendpolitik am meisten prägte und die Abteilung "Jugenhilfe" des Ministeriums für Volksbildung leitete. Seine Ideologie: Das Ziel der Umerziehung besteht darin, die Besonderheiten in der Persönlichkeitsentwicklung zu überwinden, die Eigenheit im Denken und Verhalten der Kinder u. Jugendlichen zu beseitigen u. damit die Voraussetzungen für eine normale Persönlichkeitsentwicklung zu schaffen.

Literatur:

Eine Vorschau zur Studie von Verena Zimmermann zum Thema Jugendwerkhöfe in der DDR 1945-1990
"Den Neuen Menschen schaffen"

Weitere Fachliteratur:
"Der Jugendwerkhof im Jugendhilfesystem der DDR"  Autor: Gerhard Jörns
"
Erziehung und Ideologie - Theorie und Praxis der Erziehung in den offenen Jugendwerkhöfen der DDR"  Autor: Katharina Markmann

Neue interessante Ausgabe von 2011 "Der letzte Schliff"   Autor: Christian Sachse
Herausgeber: Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Resümee vom 21.03.2011 in Leipzig

Fachliteratur von Eberhard Mannschatz