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Jugendwerkhof Groß-Leuthen

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Dieser Bereich widmet sich den Jugendwerkhof Groß-Leuthen und deren Ehemaligen.

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Jugenwerkhof von 1958 - 1963 danach bis 1989 Spezialkinderheim

Anschrift:
Schlossstraße   7551 Groß Leuthen  DDR Bezirk: Cottbus  Heute: Schlossstraße   15913 Groß Leuthen/Spreewald

Schloß Groß Leuthen  
Auszug aus: Dr. Christian Sachse
Jugendwerkhof Groß Leuthen
Autor: C. Löser


Etwas zum Jugendwerkhof:

1958 wurde aus dem Kinderheim Groß Leuthen ein Jugendwerkhof. Über 100 vermeintlich kriminelle Jugendliche, Jungs und Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren lebten und arbeiteten dort. 1965 wurde Groß Leuthen als Spezialkinderheim aufgelöst. Das Heim an sich blieb aber noch mit Mädchenwohngruppen "zur Förderung des sozialen Umgangs" und später als Waisenhaus
bestehen bis es im Jahre 2004 aufgelöst wurde.

„Kriminell“ waren allerdings die wenigsten. Einige wollten nicht am Aufbau des Sozialismus teilnehmen, in den Westen, da wollten sie hin und das war "kriminell". Andere hatten keine Lust zu arbeiten. Das wurde in der DDR ebenso kriminalisiert, wie auch die Prostitution. Mädchen unter achtzehn, die der Prostitution bezichtigt wurden, fanden sich im Jugendwerkhof wieder.

Es gab in Groß Leuthen ein Mädchen, die sei öfters "geflitzt", versuchte wegzulaufen, wollte nach Chemnitz, Karl-Marx-Stadt. Sie hatte große Brüste und trug immer einen BH. Als Bestrafung wurde ihr das verboten. So war das Risiko geringer, dass sie wieder abhauen würde. Ihr Schamgefühl würde es ihr verbieten.

Die Mädchen arbeiteten in der Gärtnerei und in der Wäscherei. Die Jungs wurden zum Aufbau des Kraftwerks Lübbenau hauptsächlich zu Gleisbauarbeiten eingesetzt, dort, wo sonst keiner arbeiten wollte, harte, körperliche Arbeit für Fünfzehnjährige. In Teer getünchte Bahnschwellen schleppen, Zement und Kalk entladen und transportieren. Nach der Arbeit um 16 Uhr waren die Jungs und Mädchen kaputt, nur noch fähig zu schlafen.

Der größte Teil des Lohnes für die Arbeit im Kraftwerk Lübbenau floss wieder in den Jugendwerkhof. In einem halben Jahr verdienten die Jungs auf diese Weise 250 Ostmark. Das sind ungefähr 40 Ostmark im Monat. Über das Geld durften die Jugendlichen nicht frei verfügen. Es wurde vom Heim verwaltet. Jeder, der etwas kaufen wollte, musste vorher Rechenschaft ablegen.

Manchmal, am Wochenende, gab es Tanzveranstaltungen, ohne Alkohol und Zigaretten versteht sich. Im See konnte man baden, Jungs und Mädchen getrennt.
Wirklich entspannend war das alles nicht.

Quelle


Hier in diesen Jugendwerkhof war Horst Kretschmar als Erzieher von 1961 - 1964 tätig, bevor er 1964 in den Geschlossen Jugendwerkhof Torgau als Erzieher anfing und diese Einrichtung von 1968 -1989 als Direktor leitete.