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Jugendwerkhof MUNA "Neues Leben"

Willkommen auf unserer Seite.

Dieser Bereich widmet sich den Jugendwerkhof MUNA "Neues Leben" und deren Ehemaligen.

Verantwortlicher Redakteur ist: (Name)  Stellvertreter ist: G: Pfeifer
        

Jugendwerkhof: 1949 - 1955
                
Anschrift: Jugendwaldheim  ?? 07639 Bad Klosterlausnitz  DDR Bezirk: Gera  Heute: nicht mehr vorhanden

Jugendwerkhof Bad Klosterlausnitz und JWH MUNA "Neues Leben" waren ein und dieselbe Einrichtung, 1953 errichteten sie in einem "Kampfprogramm" eine Stalin- Gedenkstätte in Stadtroda

Chronik: MUNA entstand 1949 als Heim für elternlose Kinder die in den Nachkriegswirren ihr Eltern verloren. So wurden die Thüringer "Jugendwaldheime" geboren. Die ersten Zöglinge waren elternlose Geschwisterkinder. Die ersten 11 Zöglinge, untere denen sich 4 Geschwisterkinder befanden, wurden am 7 Mai 1949 eingewiesen. Im laufe des Sommers wurden männliche Zöglinge vom Jugendwerkhof Römhild "Rudolf Harbbig" nach MUNA in Bad Klosterlausnitz verlegt. Diese bezogen Haus 1 und damit begann der eigentliche Betrieb. Von "Berlin" aus angeordnet, wurden die Geschwisterkinder auseinandergerissen. Niemand verstand diese Maßnahme und es löste eine tiefe Trauer aus. Damit entstand der eigentliche Charakter eines "Jugendwerkhofes". Fortan gab es nur noch männliche und weibliche Jugendliche, die in den Werkstätten ihre Lehrberufe erlernten. Die Zahl der Zöglinge wuchs auf 150 Jugendliche die in 8 Brigaden aufgeteilt waren. 5 für die weiblichen und 3 für die männlichen. Die selbstgenannten Namen, wie Brigade "Einheit", "Vorwärts" und "Neues Leben", verkörperten die eigentlichen Attribute der Erziehungsarbeit, im Sinne der 50 köpfigen Betreuer und Mitarbeiter. Die Thüringer "Jugendwaldheime" wurden für sehr viele Jugendliche ein echtes Zuhause, welches ihnen eine kollektive Sicherheit bot. Manch Ehemaliger siedelte sich in der näheren Umgebung an und kam gern am Wochenende wieder nach "Heim".

In MUNA wurden die Jugendlichen in dreijähriger Lehrzeit in verschiedenen Berufen ausgebildet. Da gab es Tischler, die zum Teil Möbel für den Heimbedarf produzierten und die Schlosser, die in Kooperation mit dem Geraer Werk "Nikolai Ostrowski" arbeiteten. Die Landwirtschaft und die Gärtnerei bereicherten die Produkte für den Speiseplan. Weiterhin gab es Maler, Maurer, Elektriker, Schuster und Korbmacher die für den Eigenbedarf der Einrichtung sorgten. In Verbindung mit dem Forstwirtschaftsbetrieb Tautenheim wurden zehn Lehrlinge ausgebildet. Die theoretische Ausbildung erfolgte in der heimischen Berufsschule. Sie stand im vorderen Teil des Geländes und beherbergte drei Klassenzimmer. Eine ganz enge fachliche Beziehung bestand zur gewerblichen Berufsschule in Hermsdorf. Diese befand sich in 4 Kilometer Entfernung.

Einen breiten Raum nahm die Kulturarbeit ein. Sie war eine sinnvolle Freizeitgestaltung, förderte die Anlagen jedes einzelnen und entwickelte ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Lehrer und Erzieher wirkten in allen Gruppen mit. Die Blechbläser fanden sich im Fanfarenzug oder in der Blaskapelle zusammen. Ein Chor von ca. 80 Personen übte regelmäßig und im Repertoire war vom Jugendlied über Kanon, Volkslied, bis hin zu Kunstliedern alles vertreten. Großen Anklang fand auch die Volkstanzgruppe. Sie trat in einer Tracht auf die nach echtem Vorbild eigens für sie angefertigt worden war. Die 200 DM, die für je eine komplette Kleidung gezahlt werden musste, waren für die damaligen Zeiten sehr viel Geld. Wer sportlich genug war, trat in der Gymnastikgruppe oder bei den Akrobaten mit auf. Für Jugendliche und Erwachsene die sich darstellerisch betätigen wollten, gab es eine Laienspielgruppe. Wenn man alles zusammen betrachtet, konnte man von einen Kulturensemble sprechen. Bei Auftritten war die ganze Einrichtung auf den Beinen. Ein Höhepunkt war ohne Zweifel das zentrale Laienspiel zur Kultur- und Sportolympiade 1952 in Wilhelmsthal bei Eisenach. Der Werkhof war ausgesucht worden, "Der Weg ins Leben" von Miroslav Stehlik nach dem Roman von A:S: Makarenko aufzuführen. Die Vorbereitungen prägten monatelange das Leben in MUNA. Die Rollen der Erwachsenen werden von den Erziehern und die Rollen der Kolonisten von den Zöglingen des Jugendwerkhofes "Neues Leben" (MUNA) dargestellt. Die fachmännische Ausbildung übernahmen die Intendanten der Geraer Bühne. Die dicke Kleidung, wie Stiefel, Pelze und Umschlagtücher, ließen so man einen in den sommerlichen Proben beinahe verzweifeln. Die Aufführung war ein beeindruckender Erfolg und in langer Erinnerung verwahrt. 

Nach Außen zeigte sich die Gemeinsamkeit in der einheitlichen Kleidung die zu bestimmten Anlässen getragen wurden. Im Sommer waren es graue Anzüge und Kostüme im klassischen Schnitt für die Erwachsenen und den Mädchen. Für die Jungen gab es aus demselben Material, weiße Hemden bzw. Blusen, Bundjacken, kurze Hosen, weiße Söckchen und Schuhe. Im Winter waren es dann Skianzüge, Überfallhosen und eine taillierte Jacke, die die Mädchen in braun und die Jungen in dunkelblau kleideten. Ganz chic waren die Schirmmützen die jeder mit individuellem Knick versehen, auf sein Haupt stülpte. An den Kleidungen war auch eine gewisse Rangordnung zu erkennen. Die Brigadeleiter die verantwortlich für eine bestimmte Gruppe waren, trugen auf dem linken Ärmel, diese Bezeichnung auf ein Dreieck gestickt. Jugendliche die sich bewährt hatten uns sich durch Verantwortung und Zuverlässigkeit auszeichneten, wurden zu Junggenossen ernannt und waren ebenfalls äußerlich kenntlich gemacht. Es war schon ein beeindruckender Anblick, wenn mit Marschmusik und disziplinierter Haltung die Bewohner des Jugendwerkhoffes durch die Lande zogen. In den Jahren in "MUNA" in Bad Klosterlausnitz, wurde ein Heimkollektiv geschaffen, das stolz auf ihre Einrichtung war und das auch gern nach außen zeigte. 


Wegen militärischen Bedarfs, entstand die Notwendigkeit, das Gelände des Jugendwerkhofes zu räumen. Da nach dem Tod des Herzogs Ernst II von Sachsen-Altenburg das Schloss "Fröhliche Wiederkunft" in Wolfersdorf leerstand, wurde der Umzug in dieses Objekt angeordnet. 

Zu beginn des Jahres 1955 wurden im Schnellverfahren, notdürftige Bedingungen im Schloss geschaffen, um die Jugendlichen da unterzubringen. 
Ein Augenzeuge berichtet: Als für die Umgestaltungs- und Reinigungsarbeiten auch Mädchen gebraucht wurden, gehörte ich mit zum Vorkommando. Für die Mädchen richteten wir Räume im rechten Flügel des Schlosses ein, für die Jungen im Altbau um den Schlossturm. Einige Räume wurden für den Unterricht ausgestattet, der Rittersaal als Speiseraum. Ehemalige Heizungen und Garagen wurden Werkstätten, die Bewirtschaftung der Landwirtschaft mit 17 ha Nutzfläche und den Tieren vom Jugendwerkhof Hummelshain übernommen. Für Mädchen wurde die Ausbildung als Wirtschaftshelfer geschaffen, mit theoretischem Unterricht und praktischer Ausbildung in den Bereichen Küche, Waschküche, Reinigung, Näh- und Bügelstube.


Ein Zeitzeuge, mit Namens G. Pfeifer befindet sich auf unserer Plattform und würde sich sehr freuen, Ehemalige aus seiner Zeit zu finden.
Er selbst war in der Zeit von 1953-1955 in MUNA und hat da einen Forstfacharbeiter abgeschlossen. Nachweise liegen vor.


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